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Funktionelle Medizin: Was hinter dem Ansatz steckt

Ursachenorientiert statt rein symptomorientiert: Was der Ansatz der Funktionellen Medizin bedeutet, wo seine Stärken liegen und wo seine Grenzen sind.

Von Dr. med. Christina HuberVeröffentlicht am Zuletzt medizinisch geprüft am

Viele Menschen kommen in die Sprechstunde, nachdem sie bereits eine Reihe von Untersuchungen hinter sich haben. Die Befunde sind unauffällig, die Beschwerden bestehen weiter. Genau an dieser Stelle setzt der Ansatz an, der als Funktionelle Medizin bezeichnet wird.

Der Grundgedanke

Die Funktionelle Medizin fragt weniger danach, welche Diagnose zu einem Symptommuster passt, sondern welche Faktoren dazu beitragen, dass ein Beschwerdebild entsteht und bestehen bleibt. Ernährung, Schlaf, Stressbelastung, Bewegung, Umweltfaktoren und die individuelle Stoffwechsellage werden dabei gemeinsam betrachtet.

Das ist kein Gegenentwurf zur wissenschaftlichen Medizin. Diagnostik und Therapie folgen denselben Standards; der Unterschied liegt in der Perspektive und vor allem im Zeitbudget: Eine ausführliche Anamnese, die Lebensumstände, Vorgeschichte und Gewohnheiten systematisch erfasst, braucht deutlich mehr als die üblichen Minuten.

Was das konkret bedeutet

In der Praxis besteht der Ansatz aus drei Schritten:

  1. Erheben. Eine strukturierte, ausführliche Anamnese — häufig über mehrere Termine. Dazu die Sichtung aller Vorbefunde.
  2. Einordnen. Gezielte Labordiagnostik, wo sie eine Frage beantwortet, die sich aus der Anamnese ergeben hat. Nicht als Suchscheinwerfer.
  3. Begleiten. Maßnahmen, die zum Alltag der Patientin oder des Patienten passen, mit vereinbarten Zeitpunkten zur Überprüfung.

Der wichtigste diagnostische Schritt ist meistens nicht das nächste Labor, sondern die Frage, die vorher noch niemand gestellt hat.

Wo die Grenzen liegen

Der Ansatz eignet sich für funktionelle und chronische Beschwerdebilder, bei denen eine strukturelle Ursache ausgeschlossen wurde. Er ersetzt keine fachärztliche Abklärung und keine leitliniengerechte Behandlung bei gesicherten Erkrankungen.

Ebenso wichtig: Nicht jede Untersuchung, die angeboten wird, hat einen belegten Nutzen. Für einen Teil der Laborparameter, die im Umfeld der Funktionellen Medizin verbreitet sind, ist die Datenlage dünn. Wo das so ist, sage ich es — und wir entscheiden gemeinsam, ob eine Untersuchung sinnvoll ist.

Ob der Ansatz zu Ihnen passt

Diese Art zu arbeiten braucht Zeit auf beiden Seiten und Bereitschaft, an Gewohnheiten etwas zu verändern. Sie führt nicht bei jedem Beschwerdebild zu einem Ergebnis. Wenn Sie unsicher sind, ob das für Ihre Situation der richtige Weg ist, klären wir das am besten in einem Erstgespräch.

Quellen

  1. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Leitlinienregister
  2. IQWiG — Gesundheitsinformation.de: Wie entstehen medizinische Empfehlungen?

Über die Autorin

Dr. med. Christina Huber

Ärztin

Ärztin mit Schwerpunkt Funktionelle Medizin. Nach Ausbildung zur Physiotherapeutin, einem Bachelor of Arts Physiotherapie an der Universiteit Utrecht und der Heilpraktikerausbildung folgte das Medizinstudium an der TU München, abgeschlossen 2020. Danach ärztliche Tätigkeit in der Allgemeinmedizin.

Mitglied der Bayerische Landesärztekammer

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