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Praxis Dr. HuberFunktionelle Medizin

Schwerpunkt

Hormone und Frauengesundheit

Hormonelle Zusammenhänge wirken selten isoliert. Sie hängen mit Schlaf, Belastung, Ernährung und Stoffwechsel zusammen — und werden deshalb gemeinsam betrachtet.

Viele Frauen kennen die Situation: Die Beschwerden sind deutlich, die Standardwerte sind unauffällig, und eine befriedigende Erklärung fehlt. Hormonelle Regelkreise sind eng mit anderen Systemen verknüpft — mit dem Schilddrüsenstoffwechsel, dem vegetativen Nervensystem, der Nährstoffversorgung und der Verdauung. Wer nur einen Wert betrachtet, sieht deshalb oft nur einen Ausschnitt.

Der Gender Health Gap

Die Gesundheit von Frauen und ihre Beschwerden werden häufig weniger ernst genommen als die von Männern. Der Gender Health Gap beschreibt diese Lücke in Forschung und Behandlung.

In der Sprechstunde zeigt sich das regelmäßig: Frauen bleiben mit ihren spezifischen gesundheitlichen Fragen häufig allein. Mir ist deshalb wichtig, diese Fragen anzuerkennen und ernst zu nehmen — und zwar bevor über Untersuchungen gesprochen wird.

Besonders deutlich wird die Lücke bei den Wechseljahren. Dort kommt mehreres zusammen, das sich gegenseitig verstärkt:

  • Lückenhafte Forschung und Datenlage
  • Unzureichende medizinische Versorgung und Aufklärung
  • Ein Thema, das in Gesellschaft und Arbeitswelt tabuisiert ist
  • Beschwerden, die mit Scham besetzt sind
  • Emotionale und psychische Belastungen
  • Fehlende Unterstützung im Umfeld
  • Chronischer Stress, insbesondere am Arbeitsplatz

Besonders die Kombination aus körperlichen Veränderungen und chronischer Belastung am Arbeitsplatz wird selten zusammen gedacht. Beschwerden werden dann als individuelles Problem verhandelt, obwohl die Umstände einen erheblichen Anteil daran haben.

Beschwerdebilder

Womit Patientinnen am häufigsten in die Sprechstunde kommen. Die Begleitung erfolgt jeweils ergänzend zur fachärztlichen Versorgung.

Hormonelle Dysbalancen und prämenstruelles Syndrom

Unregelmäßige Zyklen, Stimmungsschwankungen und andere hormonelle Beschwerden können den Alltag erheblich beeinträchtigen. Viele Frauen erleben vor der Periode Reizbarkeit oder depressive Verstimmungen. Häufige körperliche Beschwerden sind Brustspannen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Bauchschmerzen.

Schmerzhafte Periode und Endometriose

Über Jahre bestehende Schmerzen während der Periode können ein Anzeichen für eine Endometriose sein. Häufig beschränken sich die Beschwerden nicht auf die Periode, sondern begleiten den gesamten Zyklus und schränken die Lebensqualität deutlich ein.

Bis zur Diagnose vergehen oft Jahre. Diese Verzögerung ist gut dokumentiert und einer der Gründe, warum viele Betroffene sich mit ihren Schmerzen über lange Zeit nicht ernst genommen fühlen. Die Diagnosestellung selbst erfolgt gynäkologisch.

Ergänzend dazu lässt sich funktionell auf Faktoren schauen, die in der Regelversorgung seltener Thema sind: Ernährung, entzündungsfördernde Einflüsse, die Darmsituation, die Mikronährstoffversorgung und die Belastungssituation.

Ein Schwerpunkt der aktuellen Forschung liegt auf einem möglichen Zusammenhang mit dem Histaminstoffwechsel. Mastzellen, die Histamin freisetzen, finden sich vermehrt im Gewebe von Endometrioseherden, und Östrogen und Histamin beeinflussen sich gegenseitig. Zahlreiche Arbeitsgruppen untersuchen derzeit, welche Rolle dieser Zusammenhang für Beschwerden und Behandlung spielt.

Perimenopause und Wechseljahresbeschwerden

Hitzewallungen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen sind die bekannten Symptome. Hinzu können weniger bekannte Beschwerden treten: Gelenkschmerzen, Schwindel, Ohrgeräusche, eine Schultersteife oder Veränderungen der Blutfettwerte. Die Beschwerden beginnen häufig schon in der Perimenopause, also Jahre vor der letzten Regelblutung, und andere Ursachen müssen dabei abgegrenzt werden.

Viele Frauen berichten, dass die Beschwerden früher einsetzen als bei den Generationen vor ihnen. Ein möglicher Einfluss von Umweltbelastungen, insbesondere hormonell wirksamer Substanzen, wird dazu untersucht.

Regelmäßig unterschätzt wird die psychische Belastung. Stimmungsschwankungen, Erschöpfung und das Gefühl, sich selbst nicht wiederzuerkennen, wiegen für viele Frauen schwerer als die körperlichen Symptome — und werden seltener angesprochen.

Über die Beschwerden hinaus wird untersucht, wie sich eine Hormontherapie auf langfristige Endpunkte auswirkt. Für den Knochen ist die Datenlage belastbar: Sie senkt das Risiko osteoporotischer Frakturen, und in bestimmten Situationen ist das eine zugelassene Anwendung. Für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus und Darmkrebs liegen Studienergebnisse vor, die auf günstige Effekte hindeuten.

Weitere Themen

Schilddrüse

Über- und Unterfunktion sowie Autoimmunerkrankungen wie die Hashimoto-Thyreoiditis. Auch unspezifische Beschwerden können auf die Schilddrüse hindeuten: ständiges Frösteln und Schwierigkeiten bei der Temperaturregulation, anhaltende Müdigkeit oder Stimmungsschwankungen.

Kinderwunsch

Bei unerfülltem Kinderwunsch: Einordnung der Mikronährstoffversorgung und Abklärung von Mangelzuständen. Auch genetische Faktoren können zur Einordnung beitragen.

Stress und Erschöpfung

Anhaltende Müdigkeit und verminderte Belastbarkeit, bei denen hormonelle Einflüsse als ein Faktor unter mehreren betrachtet werden.

Therapieformen

Im Mittelpunkt steht die ganzheitliche Betrachtung der Frauengesundheit. Welche Therapieform infrage kommt, richtet sich nach dem Befund, der Vorgeschichte und den individuellen Bedürfnissen — das ergibt sich erst aus Anamnese und Diagnostik, nicht vorher.

Das Zusammenspiel betrachten

Eine Hormontherapie steht nicht am Anfang. Zuvor wird das übergeordnete System betrachtet, denn die hormonellen Regelkreise greifen ineinander: die Schilddrüse, die Nebennieren mit dem Cortisolhaushalt und die Geschlechtshormone — unter anderem Östrogen, Progesteron und Testosteron — beeinflussen sich gegenseitig.

Wo dieses Zusammenspiel aus dem Gleichgewicht geraten ist, wird zunächst dort angesetzt. Eine Hormontherapie auf eine ungeklärte Ausgangslage zu setzen, führt erfahrungsgemäß selten weiter.

Hormonersatztherapie mit bioidentischen Hormonen

Erst wenn diese Grundlage steht, kommt eine individuell abgestimmte Hormonersatztherapie auf Basis bioidentischer Hormone infrage. Sie wird sorgfältig dosiert und im Verlauf kontrolliert.

Mit den hormonellen Regelkreisen und den verfügbaren Applikationsformen habe ich mich eingehend befasst. Die Wahl zwischen ihnen ist Teil der Abwägung, weil sie sich auf Wirkprofil und Risikoprofil unterschiedlich auswirken.

Ob sie für Sie infrage kommt, hängt von Befund, Alter, Vorgeschichte und individuellen Risikofaktoren ab. Nutzen und Risiken besprechen wir vor Beginn ausführlich.

Warum Stress bei Frauen anders wirkt

Männer und Frauen reagieren biologisch unterschiedlich auf Belastung. Der Grund liegt unter anderem darin, dass Geschlechtshormone auf das Immunsystem einwirken — und zwar gegenläufig.

Untersuchungen deuten darauf hin, dass Östrogene die erworbene (adaptive) Immunantwort fördern und zugleich die angeborene Abwehr sowie die Toleranz gegenüber Fremdstoffen dämpfen. Testosteron wirkt in weiten Teilen gegenläufig. Diese Unterschiede werden auch als eine Erklärung dafür diskutiert, warum Autoimmunerkrankungen bei Frauen deutlich häufiger auftreten.

Was Belastung bei Frauen verändert

Stress greift in das Zusammenspiel von Östrogen, Progesteron und Testosteron ein und kann dieses Gleichgewicht stören. Dabei macht es einen Unterschied, wie lange die Belastung anhält:

Starker akuter Stress

Das Gleichgewicht verschiebt sich kurzfristig in Richtung der unspezifischen, angeborenen Immunabwehr — eine sinnvolle Reaktion auf eine akute Bedrohung.

Chronischer Stress

Hält die Belastung an, verändert sich das Zusammenspiel der erworbenen Immunabwehr. Die Studienlage zu Richtung und Ausmaß dieser Verschiebung ist uneinheitlich.

Wie gut jemand Belastung verträgt, ist individuell sehr unterschiedlich und hängt von Genetik, Umfeld und sozialer Unterstützung ab. Wie ich bei anhaltender Belastung vorgehe, steht unter Funktionelle Medizin.

Wie die Abklärung abläuft

Hormonwerte sind im Zusammenhang mit der Vorgeschichte und den Beschwerden zu beurteilen. Jeder Befund wird gemeinsam eingeordnet.

Wo eine gynäkologische, endokrinologische oder reproduktionsmedizinische Abklärung erforderlich ist, wird sie veranlasst. Die Begleitung hier tritt nicht an ihre Stelle.